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BEGINE

Was sind Beginen?

Als Beginen werden Frauen bezeichnet, die in einer klosterähnlichen Gemeinschaft leben. Sie sind im Gegensatz zu Nonnen nicht dem Gehorsam gegenüber der Konventvorsteherin verpflicht, ebenso legen sie kein Keuschheitsgelübde ab. Dennoch leben die Beginen nach bestimmten Regeln, oft dient die Regel des Heiligen Benedikts ihnen als Verhaltengrundlage. Sie kommen selbst für ihren Lebensunterhalt auf. Die Beginenkonvente, auch Höfe genannt, in den Städten betreiben vor allem Textilhandwerk und übernehmen die Pflege der Kranken. Außerdem dienen sie Gott durch Studium und Gebet.




 
 

Neben den in Konventen lebenden Beginen gibt es Schweifende Beginen. Sie haben in der Regel ein Mutterhaus, verlassen dieses jedoch, um sie auf Wanderschaft zu begeben. Dabei erhalten sie oft durch verschiedene weltliche Herren eine mehr oder minder dauerhafte Herberge, wobei sie im Gegenzug ihre Dienste z.B. Weben und Spinnen anbieten.




Was trägt eine Begine?

Für die Kleidung von Beginen gibt es leicht widersprüchliche Angaben. Oft wird der Name „Begine“ von der Farbe ihrer Kleidung – „beige“ – hergeleitet. Im Französischen kann dies jedoch die Bedeutung „grau“ haben. Eine braune Farbe wird ebenfalls oft genannt.
Vom Schnitt her unterscheiden sich Beginen nicht sehr von Nonnen. Meist gelten die gleichen Kleidervorschriften wie bei den Tertianerinnen. Sie tragen einfache Tuniken. Sie sind weder extrem weit, wie es im höfischen Bereich der Fall ist, noch sind ihre Ärmel ausgestellt. Ein einfaches weißes Unterkleid und eine einfache Tunika mit zwei bis vier Gêren sind wohl die Regel gewesen. Ein Skapulier ist fraglich (Tertianerinnen tragen es).
Die Kopfbedeckung der Begine besteht aus Haube und Schleier, in Weiß oder Beige.




Meine Darstellung als Begine

Für gewöhnlich trage ich ein reinweißes Unterkleid aus Leinen mit engen Ärmeln. Es reicht bis über die Knöchel. Darüber trage ich eine Gewandung aus grauer Schurwolle. Bei kalter Witterung ergänze ich diese einfache Bekleidung mit einem schwarzen Skalpulier, eine Art Schürze/Überwurf. Gegürtet wird die Gewandung mit einem einfachen einfarbigen Brettchengewebe aus handgesponnenen Schurwolle mit dunkler Alkanna-Färbung. Die typische Kopfbedeckung einer Begine besteht aus Haube und Schleier. Diese sind bei mir aus beiger, grober Seide handgenäht. Der Schleier wird mit zwei einfachen Nadeln an der Haube befestigt.




 

Ich als Begine im Gespräch auf Burg Münzenberg, 2004

 

Einziger erlaubter Schmuck sind ein einfaches Kreuz aus Holz, welches ich als Halskette trage und ein Rosenkranz/Gebetskette aus Koralle- und Onyx-Perlen am Gürtel. Ich habe Schaumkoralle gewählt. Echte Edelkoralle ist heute nur als Altbestand zu bekommen, da die Art unter Naturschutz steht. Aufgefädelt sind die Perlen auf dunkelblauen Seidenfaden, welche ich auch für die Quasten verwendet habe.




 

Quellen

Dinzelbacher, P.: Rollenverweigerung, religiöser Aufbruch und mystisches Erleben mittelalterlicher Frauen. IN: Dinzelbacher & Bauer: Religiöse Frauenbewegung und mystische Frömmigkeit im Mittelalter. Köln, Wien: Böhlaus, 1988 S. 1-58

Dinzelbacher, P.: Mittelalterliche Frauenmystik. Paderborn: Schöningh, 1993

Ketsch, P.: Frauen im Mittelalter: Quellen und Materialien. Hrsg. v. Annette Kuhn. Bd. 2: Frauenbild und Frauenrechte in Kirche und Gesellschaft. 1. Aufl. 1984. S. 342-360

Segl, P.: Die religiöse Frauenbewegung in Südfrankreich im 12. und 13. Jahrhundert zwischen Häresie und Orthodoxie. IN: Dinzelbacher & Bauer: Religiöse Frauenbewegung und mystische Frömmigkeit im Mittelalter. Köln, Wien: Böhlaus, 1988 S. 99-116

Uitz, E.: Die Frau im Mittelalter. Wien: Tosa Verl., 2003. S. 177-181

Weinmann, U.: Mittelalterliche Frauenbewegung: Ihre Beziehungen zur Orthodoxie und Häresie. Pfaffenweiler: Entaurus-Verl.-Ges., 1988




 

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