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Wikingerin
Hochmittelalter
Perserin

TRACHT AUS GOTLAND

10.-11. Jahrhundert

Wie so oft beginnt eine neue Darstellung bei mir mit einem Geschenk. Dieses Mal war es Torben, der mir auf Freienfels eine Tierkopffibel und zwei Perlenverteiler schenkte.

Da man auf Grund mangelnder Textilfunde über Schnitte, Stoff- und Gewebearten sowie Färbungen keine genauen Aussagen über die Gotländische Kleidermode treffen kann, habe ich mich bei der Obergewandung an den bekannten Schnitten der Wikinger-Zeit orientiert. Das grüne Obergewand ist aus dicker fischgrat-gewebter Wolle, dessen grüne Färbung mit Birkenblättern erreicht wurde. Schürzen, wie sie vom skandinavischen Festland bekannt sind, gab es auf Gotland wohl nicht, denn die Fibeln wurden nicht wie die Ovalfibeln als Befestigung für die Schürzenträger im Brustbereich gefunden. Wenn Tierkopffibeln paarweise gefunden wurden, dann in der Regel beiderseits der Brust, etwa oberhalb der Mitte des Oberarmsknochens, in seltenen Fällen auch auf Hüfthöhe. Die Funde auf Höhe des Oberarms deuten darauf hin, dass eine Art Überwurf anstelle der üblichen wikingerzeitlichen Schürze getragen wurde, deren Vorder- und Rückseite unter den Achseln zusammengeheftet wurde (Abb. 1).




 

Abb. 1: Gotländische Tracht mit Überwurf - zwei Tierkopffibeln seitlich auf Brusthöhe

 

Einzelne Tierkopffibeln hingegen wurden entweder auf Kinnhöhe (als Umhang- oder Mantelverschluss) oder in Kombination mit einer Trachtnadel auf Höhe der Schulterblätter getragen. Diese Variante habe auch ich gewählt, um mein perlenbesticktes Schultertuch an der Gewandung zu befestigen. Mein Schultertuch eignet sich sowohl als Schutz vor Zugluft als auch vor Sonnenbrand (Abb. 2).




 

Abb. 2: Gotländische Tracht mit Schultertuch

 

Diese Trageweise von Schultertüchern mittels Befestigung durch unpaarige Fibeln und Gewandnadeln ist auch bei Walkürendarstellungen auf Bildsteinen sowie Amuletten und Anhängern zu erkennen. In einigen Gräbern sind bis zu vier Fibeln gefunden worden, was sich durch die Kombination der unterschiedlichen Trageweisen erklären lässt.




 

Abb. 3: Walkürendarstellung auf Bildstein - Hellvi, Ire 5 (aus E. Nylen & P. Damm: Bildsteine auf Gotland, 1981)

 

Eine andere Möglichkeit der Interpretation der Fundlage bietet ein peblosartiges Übergewand.

Lena Thunmark-Nylen schrieb in „Die Wikingerzeit Gotlands III" wie erwähnt, dass zum charakteristischen Trachtzubehör der Frauen Tierkopffibeln und Trachtnadeln zählen.
Die Trachtnadeln wurden in den Gräbern mit zwei Tierkopffibeln beiderseits auf Höhe des Halses angetroffen, so z.B. in Othem, Slite, Grab III/1916 oder Land Nord, Gustavsvik, Grab 22. Die Lage variiert von Schulter bis Hals, die Nadelspitzen liegen immer in Richtung „oben“.

Diese Funde geben Grund zur der Annahme, dass es sich um ein Gewand handelt, das aus zwei Teilen besteht und auf Höhe der Schulter verschlossen wird.

Ein Gewand dieser Art wurde bereits von den griechischen Frauen in der Antike getragen. Dort wurde ein rechteckiges Stück Stoff an der Oberkante umgeschlagen. Für die Verbindung wurden in der Antike in der Regel Fibeln verwendet. Fibeln dieser Art finden sich schon vor der Römischen Kaiserzeit paarig auf Gotland. An den Seiten konnte der Peblos offen oder zugenäht sein.

Der antike Peplos passt ideal zum Trachtzubehör der gotländischen Frauen. Ein Gürtel, der zum Peblos getragen worden sein soll, kann durch die prunkvollen Tierkopffibeln ersetzt werden.




 

Aufgrund dieser Überlegungen habe ich mich zu einer neuen Übergewandkonstruktion entschlossen. Mein neuer Peblos besteht aus in Diamantköper gewebtet Woll-Seide. Er ist zweiteilig. Auf der Schulter werden Vorder- und Rückteil von zwei Gewandnadeln zusammengehalten (Abb. 5). Er ist außerdem aufwendig mit Perlen bestickt. Seitlich verwende ich wie gehabt meine Tierfiblen. Eine Ansicht der Vorder- und Rückseite bietet Abb. 4 (Bild mit Bestickung folgt).




 

Abb. 4: Peblosartiges Übergewand mit Überfall seitlich mit Tierkopffibeln geschlossen

 

Abb. 5: Gewandnadeln aus Bronze Replik nach Västerhejde SHM 5731




 

Als Schmuck trage ich außer den Fibeln eine mehrreihige Halskette mit Perlenverteilern mit für die Wikingerzeit typischen Glasperlen. Ketten mit Perlenverteilern sind für Gotland typisch und bisher – bis auf einen Fund in Birka – außerhalb von Schweden unbekannt.

Eine weiteres Schmuckstück, was ich mein Eigen nenne, ist eine aufwendige Dosenfibel aus Bronze, die versilbert und vergoldet ist (Abb. 7).




 

Abb. 6: Halskette mit Perlenverteilern 8 reihige Glasperlenkette

 
  Abb. 7: Dosenfibel nach einem Fund aus Grötlingbo, Barshalder, SHM 27739:1. Ausführliche Beschreibung des Fundes und der Verwendung von Dosenfibeln folgt in Kürze.



 

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