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HANDSPINNEN |
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Die spinnt doch, die Brettchenweberin
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Spinnen? Klar kann ich spinnen. Wie hätten Sie’s denn gern? Mit dem Kopf oder mit der Hand? Oder soll ich lieber am Rad drehen?
Spinnen, nein, hier geht es nicht um diese kleinen oder großen Krabbeltiere mit den acht Beinen, die 80% der Bevölkerung ekelig finden. Und auch nicht, um die anderen 20%, die diese Tiere mögen, diese Spinner.
Spinnen, nein, hier geht es nicht um das Zusammenfantasieren komischer Geschichten. Oder doch?
Eigentlich geht es hier um die Verarbeitung von Tier- und Pflanzenfasern, vornehmlich Schafswolle und Flachs. Nein, kein Flachs, ich meine das hier ernst.
Also, ich spinn jetzt seit 2002 mit Wolle und Flachs. Und ich meine nicht, dass ich da mit dem Hobby Mittelalter-Reenactment angefangen habe. Obwohl,... dazu muss man wohl auch ein bisschen spinnen.
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Wie es begann...
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Angefangen habe ich mit dem Spinnen durch eine ganz blöde Geschichte. Als ich noch 2001 in meiner Mittelalter-Gruppe war, meinte unsere Lagermama, dass ja eigentlich alle Frauen im Lager spinnen können müssten, wenn sie eine authentische Darstellungen machen wollten. Aber irgendwie hatte mich das damals nicht so richtig gepackt. Ich hatte daran kein Feuer gefangen. Mit dieser Fallspindel... Ach, irgendwie interessierte mich das nicht. Doch dann traf ich mich mit einer Freundin in Freienfels. Dort war ein Stand mit einer Handspinnerin. Hier konnten Kinder Handspinnen mit einer Astgabel ausprobieren. Nun, was Kinder können, kann ja nicht so schwer sein. Also bekam ich eine Astgabel und es klappte. Ich machte meinen ersten Faden mit Schafswolle. Allerdings brach ich dann der Astgabel die Nase ab, was mir furchtbar peinlich war, aber es hielt meine Freundin nicht davon ab, mir sofort eine neue zu machen.
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Von der Astgabel kam ich auf Herzberg zur Fallspindel und dabei blieb es auch über ein Jahr, wenn auch immer mehr Spindeln dazukamen. Erst Ende 2003 schlenderte ich über einen Flohmarkt, das erste Mal seit Jahren. Dort kaufte ich dann auch gleich ein Spinnrad für 15€. Ein Schäppchen. Dank diverser Internetanleitungen schaffte ich es auch, am Ende des Tages einen Faden mit dem Spinnrad herzustellen.
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In der Zwischenzeit hatte ich auch angefangen, Wolle vom direkt Schaf weg zu bearbeiten. Waschen, Kadieren. Aber ich glaube, damit wurden weder ich noch meine Eltern glücklich. Meine Eltern fanden es gar nicht lustig, dass ich die Regentonne als Waschbottich benutzte und die gesamte Terrasse zum Wolletrocknen über Tage blockierte. Meine Eltern wollten bereits eine Selbsthilfegruppe gründen, vielleicht mit dem Titel: „Hilfe, meine Tochter macht Wollhaufen auf die Terrasse.“ Dieses Erlebnis ist der Grund, warum ihr hier keine Anleitung zur Wollbearbeitung findet werden. Ich mag es einfach nicht.
In Neuseeland hatte ich das große Glück über die Zeit meines Aufenthaltes in der Christchurch Guild of Weavers and Spinners als Gastmitglied dabei zu sein. Und hier wurde mir auch klar, warum „Spinnen“ in deutsch ein Teekesselchen ist. Wenn man mit ca. 20 Damen Samstag über 5 Stunden in einer Spinnstube zusammensitzt, kann man den tollsten Blödsinn erzählen. Denn wenn die Spinnräder schurren, hat der Mund nix zu tun. Also unterhält man sich über Gott und die Welt. Oder man erfindet eben Blödsinn. So hatte ich zum Beispiel mit einer Engländerin, ebenfalls Gast in der Gilde, tolle Ideen bezüglich der Verheiratung englischer Thronfolger. Details werde ich nicht nennen.
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Auch ein großes Glück war es, dass ich aus einem Garagenverkauf ein fast neues Ashford Travelor Spinnrad ergattern konnte und dass es sowie 2 kg Wolle dazu in den Koffer passte.
So sieht man mich heute gern mal auf einem Marktplatz mit einer Handspindel unter einem Baum sitze.
Also, auf die Frage hin, ob ich spinnen kann, kann ich stets mit „Ja!“ antworten. Und zwar hat Spinnen bei mir Kopf, Hand und Fuß!
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