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EINE WEIHNACHTSGESCHICHTE |
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Weihnachten traf ich in Bethlehem, Judäa ein
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Moment, ich erzähl doch von Neuseeland, oder? Ja, das tue ich. Ich verließ am 24.12.2004 Coromandel Town in Richtung Tauranga, wo ich zwischenstoppen wollte. Tauranga ist eigentlich kein typischer Touristen-Ort. Mit ein Grund, warum ich dort hinwollte. Es passte in meine Route. Ich wollte dort in Ruhe abseits der Touristen-Pfade die zwei Feiertage verbringen. Und mein Bus fuhr durch Judäa und Bethlehem, zwei Stadtteile von Tauranga.
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Der erste Tag
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Ich will aber chronologisch berichten, denn alles andere würde meine lieben Leser wohl noch mehr verwirren.
Ich kam also nachmittags in Tauranga an und fand nach 30 min Fußmarsch mein Hostel. Ich bezog mein Zimmer. Ein 6-Bett-Zimmer. Oh je. Nun gut, ich hatte ja Oropax. Ich versuchte nach Deutschland zu telefonieren. Aber die Leitungen waren alle belegt. Normalerweise hat Neuseeland ca. so viele Einwohner wie Deutschland Arbeitslose hat, also etwa 5,5 Mio. An Weihnachten kommen rund 10 Mio. Touristen dazu, die alle nach Hause telefonieren wollen. Noch Fragen?
Etwas entnervt und verzweifelt gab ich auf. Ich wollte aber gern Heilig Abend in die Kirche. Nur dumm, dass die Neuseeländer wie die Amis feiern und es kein „Heilig Abend“ gibt. Aber es gab tatsächlich einen Nacht-Gottesdienst. Meine Hostel-Mama suchte mir das aus der Zeitung raus und beschrieb mir den Weg. Also machte ich mich um ca. 22 Uhr auf den Weg. Ich stand vor der Kirche, die nicht wie eine Kirche aussah und blickte die Sterne an. Der Orion und der Mond standen auf dem Kopf. Jetzt führte mir der Himmel vor Augen, wie weit ich von zuhause weg war. Keine richtige Kirche und Sterne, die auf dem Kopf stehen! Ich fühlte mich sehr allein.
Doch dann sprach mich ein Pärchen an und nahm mich kurzerhand mit rein in den Vorraum, der sich schnell füllte. Plätzchen, Saft und Liedzettel wurden herumgereicht. Als das Foyer schon sehr voll war, begann plötzlich eine Gruppe zu singen. Gloria in exelcis deo. Der Text war englisch, aber die Melodie war gleich. Dann sang das ganze Foyer. Es war unglaublich. Die Türen zum Innenraum wurden geöffnet. Und ich habe noch nie eine solche Kirche gesehen. Eigentlich ein Kino. Gemütliche Sessel, eine Bühne, Leinwände. Ich kann nicht mehr sagen, was alles im Gottesdienst vorkam. Ich weiß nur, es war toll und hat mich berührt. Zum Schluss hat mich noch ein nettes, mir völlig unbekanntes Pärchen nach Hause gefahren. Einfach unglaublich.
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Der zweite Tag oder: Der Besuch vom Weihnachtsmann
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Der nächste Tag war leider nicht so erfolgreich. Ich wollte zum Mount Maunganui laufen. Aber ich unterschätzte die Distanz völlig. Nach 1,5 Stunden gab ich auf, ohne dem Berg näher gekommen zu sein. Ich setze mich an den Straßenrand, hungrig, denn am Weihnachtstag haben alle Cafés geschlossen und so hatte ich nichts zum Frühstück gegessen und wartet, bis mich jemand auflas. Nun, dies ist in Neuseeland nicht ungewöhnlich. Trampen, meine ich. Und ich wurde eingesammelt und in der Stadt abgesetzt.
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Zurück im Hostel verspeiste ich dann mein Notfallessen, eine Tütensuppe, und schöpfte neuen Mut. Meine Zimmergenossin lud mich zu einem Weihnachtsessen in einer anderen Kirchengemeinde ein, wo sie servieren half. Ich machte einen Spaziergang und fand mich dort ein. Das Essen war toll. Alles gespendet. Alles freiwillige Helfer und es war jeder willkommen. Ich war nicht die einzige einsame, hunrige Backpackerin aus dem Hostel. Es gab Knallbonbons und der Weihnachtsmann verteilte Geschenke. So bekam ich zwei Topflappen und Bodylotion. Sehr sinnvolle Geschenke.
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Danach, vollgefressen wie ich war, machte ich den Estaury Walk. Leider brach die Dunkelheit herein. Oder war das mein Glück? Ich sah ein Haus mit Weihnachtsbeleuchtung. Ja, aber das ist doch nichts besonders. Doch ist es! Denn in Neuseeland wird es ja erst gegen 22 Uhr in dieser Jahreszeit dunkel. Weihnachtsbeleuchtung gibt es fast nicht. Außer in Tauranga. Aber dazu später.
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Ich wollte unbegingt ein Bild von diesem Haus machen. Leider wollte meine Kamera dies nicht. Da tippe mir jemand auf die Schulter und fragte mich, was ich denn da triebe. Ich erklärte mich. Es stellte sich heraus, dass dies die Besitzer des Hauses waren und sie luden mich auf eine heiße Schokolade und Plumpudding ein. Ich ging mit. Natürlich, das ist in Neuseeland so. Ich erzählte, dass ich von Tauranga noch nichts gesehen hatte, aber auch, dass ich morgen bereits abreisen würde. Erschrocken schlugen sie eine nächtliche Stadtrundfahrt vor. Ein Nachbar wollte auch mit. Und so fand ich mich in einem dicken Mercedes wieder. Zum Mount Maunganui. Zum Meer! Das erste Mal die Füße im Meer. Dann zu den Kiwiplantagen, nach Bethlehem und zu einem Ausguck, von dem man die ganze Stadt überblicken konnte.
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Und! Zu einer Straße, die komplett mit Weihnachtsbeleuchtung zugepflastert war. Leider ist mir kein einziges Bild gelungen. Durch die lange Belichtungszeit habe ich alle verwackelt.
Und natürlich wurde ich zurück in mein Hostel gebracht. Nicht ohne jede Menge Tipps zu Rotorua, meinem nächsten Stopp auf der Nordinsel.
Ich denke, wer das liest, kann jetzt meine Überschrift verstehen. Weihnachten im Sommer. Ohne Schnee, ohne kalte Finger. Aber mit einem Mond auf dem Kopf, Plumpudding, Sand zwischen den Zehen und Meer. Und mit zwei lieben Menschen, deren Namen ich leider nicht kenne. Selbst ihr Haus würde ich heute nicht mehr wiederfinden.
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