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TAG 5: BEN LOMOND TRACK |
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Ein Tag der Grenzen
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An diesem Tag habe ich eine Menge gelernt. Und zwar über schlechtes Schuhwerk, schlechte Bekleidung, schlechtes Wetter und maßlose Selbstüberschätzung. Und über Einordnung neuseeländischer Wanderweg in Schwierigkeitesgrade. Und wie es ist zu scheitern und daraus noch etwas zu gewinnen.
Aber schön der Reihe nach...
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Ein idiotischer Plan
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J. und S. empfahlen mir den Ben Lomond zu laufen, wenn ich schon den Routeborn-Track auslassen müsste. Von dort oben, der Ben Lomond ist der höchste Gipfel von Queenstown, hätte man eine geniale Aussicht und der Track sei nicht lang und schon gar nicht schwer. Er beginnt an der Bergstation der Gondel. Man könnte auch da hochlaufen, das sei billiger. Ich entschied mich für den Track, der gegen den Aufstieg zur Bergstation und fuhr mit der Gondel.
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Der Ben Lomond Track
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Am Beginn des Tracks steht ein Schild, dass einem zeigt, dass man richtig ist und es gibt Auskunft wie lange der flotte Wanderer bis zum Gipfel (Summit) braucht: 2,5 Stunden. Ich hatte schon nach 20 Minuten die Schnauze vom Wandern voll!
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Der Weg war schlimm. Nicht nur steil, sondern auch total ausgewaschen mit viel Geröll dazwischen. Ich überlegte mir folgende Dinge: Weitermachen oder Aufgeben und zurückgehen? Ich entschied mich NICHT zu kapitulieren und weiterzulaufen. Meine Taktik bestand aus Bildermachen immer wenn ich 100 Schritte gemacht hatte. Denn dann legte ich eine Pause ein. Ich war so müde, meine Beine so schwer. Ich hatte aber auch wirklich schlechte Schuhe. Meine alten Paladiums, rund 10 Jahre alt und von fester Sohle und stabilem Sitz um den Knöchel keine Spur. Außerdem wurde es, je höher ich stieg, immer kälter. Das Wetter zog sich zu, der Gipfel steckte in nassen, schweren Nebel.
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Treffen mit einem Engel
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Nach einer Stunde Quälerei - ich war den Tränen der Verzweiflung über mich selbst nahe - sprach mich eine Neuseeländerin an. - "Was ist denn los? Geht es dir nicht gut?" Ich schaute nur verwirrt hoch. - "Du willst bis zu Gipfel?" Ich nickte nur. Sie musterte mich. - "Hast du etwas warmes zum Anziehen? Und hast du bessere Schuhe dabei?" Auch wenn die letzte Frage wohl unsinnig war, sprach aus ihrem Blick Anteilnahme. Daher erklärte ich, dass ich alles am Leib hätte, was ich zum Anziehen dabei hatte. Zum Thema Schuhe sagte ich nichts. Zu meiner Rechtfertigung sagte ich noch, dass man mir gesagt hätte, der Track sei einfach und auch für Anfänger ohne richtiges Schuhwerk geeignet. - "Ja, das erzählen sie den Touristen. Hast du was zu trinken?" Sie bot mir eine Flasche an. Ich zeigte ihr meine. Dann drückte sie mir eine kleine Packung Rosinen in die Hand - "Zucker ist wichtig." Dann erklärte sie mir: - "Bis zum Gipfel sind es vom Saddle aus noch min. 1 Stunde und es wird steiler als hier. Und es ist sehr kalt da oben. Siehst du die Wolken? Ich würde dir raten nicht weiter als bis zu Saddle zu gehen. Das sind nur noch ca. 20 Minuten. Aber dann kehr besser um. Es bringt nichts sich zu quälen, um dir selbst oder deinen Freunden was zu beweisen. Komm irgendwann wieder und bring gute Schuhe mit, dann ist dieser Berg immer noch da. Ich mache die Tour jedes Jahr einmal und ich wandere auch sonst sehr viel. Trotzdem bin ich immer wieder überrascht, dass dieser Track als "Alpine I" (Alpine I ist die einfachste Stufe der Alpinen Tracks: Keine Kletterausrüstung erforderlich) bezeichnet wird. Geh noch zum Saddle, mach dort Pause und kehr dann um. Und iss die Rosinen!" Dann ging sie, wünschte mir noch Glück, während sie versuchte, ihre Gruppe, die schon weitergestiegen war, einzuholen.
Ich öffnete das Päckchen Rosinen und begann mir eine in den Mund zu stecken. Diese Frau... Sie hatte mir so was wie Absolution gegeben. Ich musste das ja hier eigentlich nicht machen. Wozu? Um wir WAS zu beweisen? Oder um J. und S. etwas zu beweisen? Der Aufenthalt hier in Queenstown war schlimm genug, oder?
Trotzdem ging ich weiter bis zum Saddle. Und ob mich die Rosinen vergessen ließen, wie weit es noch war, oder ob ich durch sie schneller lief... Eine Viertelstunde später erreichte ich den Saddle!
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Sie haben Ihr Zwischenziel erreicht!
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Hier ging ich ein bisschen abseits des Wanderwegs und ließ mich auf ein Tussok-Grasbüschel fallen und biss in mein Sandwich. Die Füße ausstreckend schaute ich runter ins Tal. Diese halbe Stunde Pause war die richtige Entscheidung. Am Ende fühlte ich mich so erfrischt, dass ich fast weiterlaufen wollte. Aber der Gipfel war immer noch in Wolken und ich sah das Gesicht der Frau vor mir. Ich kehrte als um.
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Doch noch weiter!
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Ich merkte, wie schnell abwärtslaufen geht! Schon nach fünf Minuten war ich an der Stelle, wo ich die Frau getroffen hätte. In einer halben Stunde wäre ich wohl an der Gondel. Schon? Eigentlich war es doch schön hier oben. Ich entdeckte vor mir einen kleinen Anstieg, der auf eine Hügelkuppe führte. Also bog ich vom Hauptweg ab und nahm den schmalen Fußpfad. Und ich musste keine Pausen und erreichte erlöst die Hügelkuppe. Die Sonne kam raus. Vor mir lag einen zweite Kuppe. Also! Auf! Weiter!
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Ich ging weiter und wurde durch einen tollen Ausblick auf Lake Wakatipu belohnt. Hier oben war ich die einzige Wanderin. Und ich musste viel an Michael denken. Michael war mein Onkel. Er wollte immer gern wissen, ob ich denn wirklich nach Neuseeland gehen würde. Aber er starb vier Wochen bevor ich das Okay bekam. Ich konnte es ihm nicht mehr sagen. Hier oben sagte ich immer wieder: Michael, guck! Ich bin hier in Neuseeland! Ja, ich hab's geschafft!
Melancholisch und doch befreit machte ich mich endgültig auf den Rückweg zur Gondel.
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Luge fahren
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Ein bisschen Spaß musste aber noch sein. An der Bergstation gibt es die Möglichkeit "Luge" zu fahren. Was ist Luge?
Luge ist so was ähnlich wie eine Sommerrodelbahn. Nur ist man nicht in einem Kanal gefangen, sonder hat eine breite Straße. Das Gefährt ist ein Schlitten, den man jederzeit anhalten kann. Dass man bremsen kann, muss man sogar unter Beweis stellen, sonst darf man nicht fahren. Als erstes darf man eh nur die einfachste Route nehme: Scenic. Hier gibt es "Parkbuchten", in denen man in Ruhe auch das Panorama genießen kann.
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Wer sich das jetzt immer noch nicht vorstellen kann, der schaut hier einen Film darüber. Ich fuhr dreimal und es machte Riesenspaß, so dass ich in Rotorua sogar 10x fuhr! Danach ging es aber endlich zurück Richtung Fernhill, auch wenn ich erlöst und befreit nach ein bisschen in der City bummelt, bevor ich "nach Hause" trampte.
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Alle Bilder vom Track, von der Luge gibt's in der Queenstown-Galerie.
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Tag 4: Die Nevis Road | Tag 6: Arrowtown
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