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TAG 4: DIE NEVIS ROAD
 

Für die Nevis Road hatten sich J. und S. einen Jeep bei einem Freund geliehen. Denn beide hatten an diesen Tag frei. Doch das war nicht, um mir einen Gefallen zu tun. Nein, J. wollte diese Tour mit einem Jeep als Adventure Programm demnächst in seinem Unternehmen anbieten. Denn hier trieb sich sonst noch kein Anbieter rum. Also haben wir uns einen Picknick-Korb gepackt und sind los.




 

Die Nevis Road ist eine ganz offizielle Straße. Sie verbindet Kingston im Süden von Queenstown mit Cromwell. Sie führt direkt über die Remarkebles und weiter durch ein Tal voller Flüsse und kleiner Teiche. Dabei muss man eine Fuhrt überqueren, eben den Nevis. Der Haken an der Geschichte ist, dass es sich überall um Privatgelände handelt. Die Straße ist zwar öffentlich, aber sie durchquert eben riesige Weiden und Farmgelände. Also muss man auf dieser Strecke einige Tore öffnen und wieder schließen. Insgesamt waren es wohl auf dem ersten Abschnitt bis zur Fuhrt so sechs bis sieben Tore. Die Tore sind unverschlossen und dienen nur dazu die Schafe am Herumwandern zu hindern. Trotzdem verhindern auch die Tore nicht, dass Schafe „verschwinden“.




 

Shrek - Das verschwundene Schaf

In der Zeit, als ich in Neuseeland war, wurde ein solches verschwundenes Schaf berühmt: Shrek. Shrek war sechs Jahre lang verschwunden. Und zwar hier in den Remarkebles, irgendwo links oder rechts der Nevis Road. Es hat sich wahrscheinlich in Höhlen versteckt. Dem armen Merino-Schaf muss ganz schön warm gewesen sein, denn es hatte 27 kg Wolle am Leib. Okay, oben in den Remarkebles kann auch im Frühsommer noch Schnee liegen. Am Tag unseren Tripps war dies jedenfalls der Fall.




 

Shrek vor dem Scheren (Quelle: BBC online)

Weiter auf der Nevis Road

Zurück zu der Nevis Road. Wir waren ca. drei Stunden unterwegs. Die Straße ist nicht geterrt, sondern besteht nur aus Schotter. Außerdem ist sie einspurig. Festhalten war also angesagt. Hier konnte man wirklich nur mit einem Jeep fahren. Und es lag wirklich noch Schnee. Es hatte es bei meiner Ankunft in Queenstown geschneit. Im Tal mussten wir allerdings unser Picknick in den Wagen verlegen, denn es war schrecklich windig. Dort sahen wir auch alte verfallene Steingebäude. Es handelte sich keineswegs um Unterstände für Vieh, sondern um Hütten von Siedlern. Hier im Süden von Cromwell hatten Leute doch tatsächlich versucht, vor ca. 130 Jahren zu siedeln. Nicht um Gold zu schürfen, sondern, um Landwirtschaft zu betreiben. Allerdings vertrieb sie schnell der Wind, der karge Boden und das Spear Gras (Aciphylla colensoi), welches hier zwischen 900 und 1500m Höhe vorkommt.




 

Spear Gras ist eine Pflanze, die sehr feste Blätter bildet, deren Kanten so scharf sind, dass man sich die Hände aufschneidet, oder eben die Hosen und Beine, wenn man versucht, ein Feld mit diesem Gras zu durchqueren. Ausreißen lässt es sich auch, da es selbst starke Lederhandschuhe durchschneidet. Man kann es nur mit der Machete abschlagen. Selbst sein Blütenstand ist mit langen Stacheln bewehrt. Wozu diese einheimische Pflanze sich in solch wehrhafte Ornat gekleidet hat, kann man sich kaum erklären. Denn große Säugetiere gab es in Neuseeland nie. Und Schafe sind Neuankömmlinge. Also eine sehr geschickte Präadaptation?




 

Spear Grass mit verblühten Blütenstand

 

Nein, sondern eine Anpassung an den Moa. Leider ausgestorben ist dies der größte Laufvogel der Welt. Der wurde bereits von den Maori gejagdt und ausgerottet. Es gab viele verschiedene Art, unterschiedlicher Köpergröße. Dank dieser Vögel hat nicht nur das Spear Gras sein Aussehen, sondern auch noch viele andere Bäume und niedrigere Pflanzen. Wer mehr zu Moa erfahren will, dem empfehle den sehr ausführlichen Artikel bei Wikipedia.




 

Rekonstruktion eines Riesen-Moa (Quelle: Bellarmine University)

Als Abschluss: Deer Park Heights

Nach diesem Abenteuer Nevis Road kehrten wir also am Nachmittag auf der normalen Straße zurück nach Queenstown. Wir besuchten noch die Deer Park Heights, wo mir J. und S. die verschiedenen Herr der Ringe-Film-Locations zeigten. Die Deer Park Heights sind Privatgelände mit einem Wildpark. Die Tatsache, dass es sich um Privatgelände handelt, hat es nicht nur für Peter Jackson interessant gemacht, hier zu drehen. Auch ein Walt Disney Film "The Rescue" wurde hier gedreht. Davon stehen auch immer noch Kulissen hier rum. Sonst kann man sich verschiedenen Tieren näheren, denn es gibt keine Zäune: Schafe (natürlich), Ziegen, verschienden Rinder-Rassen, Esel, Zwerpferde, Yak und Alpakas und andere laden zum Anfassen ein. Eintritt kostet dieser Park natürlich. Auf eigene Faust mit dem Auto ist man mit $10 dabei. Die Locations muss man dann schon selbst suchen, sind aber sehr gut ausgeschildert. Für $50 wird man aber zu den Plätzen hingeführt. Die genaue Beschreibung der Locations lest hier.




 

Die Deer Park Heights: Der Hügel im Vordergrund (von Ben Lomond Track aus gesehen)

 

Bilder vom Tripp über die Nevis Road seht ihr hier in der Queenstown-Galerie.

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